Das ist doch voll schwul! Umgang mit Homophobie, Queerfeindlichkeit und Gender-Vielfalt
Einrichtungen der Jugendhilfe sind Orte gelebter Vielfalt. Eine menschenrechtsorientierte (Jugend-)Sozialarbeit soll Menschen darin bestärken, ein positives Selbstbild zu entwickeln und sich mutig gegen jede Form von Diskriminierung behaupten zu können. Doch der Alltag sieht oft anders aus: Das Wort „schwul“ (oder auch „Schwuchtel“) ist das meist gebrauchte Schimpfwort in der Alltagssprache. „Transe“ oder „Kampflesbe“ werden unreflektiert benutzt, um Menschen abzuwerten. Das hat Auswirkungen: Transidentisch oder homosexuell fühlende Kinder und Jugendliche sehen sich häufiger Suizidgedanken ausgesetzt. Das vom Umfeld aufgezwungene „Versteckspiel“ kann zu erhöhter Aggression führen, was negativ auf das Einrichtungsklima wirkt. Oft fehlt es bei den Fachkräften an Sensibilität im Umgang mit von der vermeintlichen „Norm“ abweichenden Identitäten und Orientierungen. Offen schwule oder lesbische Pädagoginnen sind als Vorbilder kaum sichtbar.
Im aktuellen Thüringer Bildungsplan bis 18 Jahre geht es auch um sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Ziel ist es, ein diskriminierungsfreies Lernumfeld zu schaffen und mehr gesellschaftliche Akzeptanz von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTTIQ*) zu fördern. Die gleichberechtigte Darstellung und Vermittlung von unterschiedlichen Lebensweisen und Familienmodellen sollte ein elementarer Bestandteil non-formaler Bildung sein.
Seminarziele
- Sensibilisierung für das Themenfeld „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ in der Jugendhilfe
- Klärung von Begrifflichkeiten wie Geschlecht, „Sex und Gender“, Heteronormativität, geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung sowie Kenntnis über deren praktischen Bezug zur aktuellen „Gender-Debatte“
- Sicherheit im Umgang mit sog. „Schimpfwörtern“ und beleidigenden Äußerungen in der Beratung und Elternarbeit
Seminarinhalte
- Wie leben lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTTIQ*)? Welchen Nutzen hat deren Sichtbarkeit für das Umgangsklima in der Einrichtung?
- Welche Rechtsgrundlagen existieren für die Gender-Vielfalt? (Geburtsregister, „Geschlechtsangleichung“, „Eingetragene Lebenspartnerschaft“/“Ehe für alle“, „Regenbogenfamilien“ u.a.)
- Wie kann offen über das Themenfeld gesprochen werden? Welche Argumentation hilft gegen populistische Parolen? Wie können Queer-Personen unterstützt werden?
Methoden
interaktive und multimediale Inputs (Powerpoint und Videos), moderierte Diskussionen, Kleingruppenarbeit an Praxisbeispielen und Fallanalysen
Trainer*in
Kathrin Schuchardt, Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft e.V.
Seit 2003 arbeitet die studierte Diplomlehrerin als freiberufliche Bildungsreferentin und Demokratiepädagogin für verschiedene Bildungsträger in Thüringen und anderen Bundesländern. Ihr praktischer Horizont als Sozialarbeiterin erstreckt sich von Erfahrungen in der Stationären Jugendhilfe, Offenen Jugendarbeit/Streetwork über Konfliktmanagement/Mediation sowie Antigewalt- und Kompetenztrainings im Strafvollzug (AKT®). Als „Queer“-Aktivistin setzt sie sich seit den 90er Jahren für die Rechte von LSBTTIQ*-Menschen ein.
Zielgruppe
Pädagog*innen aus Thüringen
Für die Teilnahme am Seminar werden keine Beiträge erhoben. Das Seminar wird aus dem Thüringer Landesprogramm für Akzeptanz und Vielfalt finanziert https://thueringen.de/arbeitsfelder/akzeptanz-und-vielfalt und findet in Kooperation mit dem Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft e.V. statt.
„Hate Speech“ und „Fake News“ versus Fakten und kritische Medienbildung
Im Seminar werden die Hintergründe über das Zusammenspiel von Medien- und Wahrnehmungssystem bei der politischen Meinungsbildung vermittelt. Thematisiert werden u.a. aktuelle Problemstellungen wie ›Fake News‹, ›Filterblase‹ und ›Verschwörungserzählungen‹. In Ergänzung zum Erkennen von manipulativen Inhalten wird auch der souverän-kritische Umgang mit Medieninhalten fokussiert. Dazu gehört das Framing durch Bilder und Sprache sowie die Thematisierung von rechtsextremen Narrativen. Erkenntnisbildung wird als medialer Prozess – vom Ereignis zur Botschaft – spielerisch nachvollzogen und die Orientierung in der mediatisierten Lebenswelt unterstützt. Pädagog*innen können unterschiedliche Ansätze und Methoden zur Vermittlung der Medienkompetenz gewinnen.
Konkrete Fragen sind dabei
- Was sind Medien (Massenmedien…)?
- Welche psychologischen Effekte erzeugen sie bei uns?
- Wo liegt der Unterschied zwischen Manipulation und Information?
- Wie können wir souverän aber kritisch mit Quellen umgehen?
- Welchen Einfluss hat unser eigenes Informations-Selektionsverhalten?
- Was ist die Filterblase und wie komme ich aus ihr raus?
- Mit welchen manipulativen Strategien sind wir konfrontiert?
- Wie kann ich Fake News Beispiele und Verschwörungserzählungen einordnen?
Methoden
Diese und noch mehr Fragen werden im Seminar beantwortet – mit abwechslungsreichen Methoden, die wiederum in der Arbeit mit Jugendlichen eingesetzt werden können.
Gruppenarbeiten, Inputreferate, szenische Darstellung, Bilder- und Sprachspiele, Live-Experimente, Methoden der Emotionalen Distanzierung von Inhalten, Fake-News-Debatten, Ratespiele zur Unterscheidung von Genres (Berichterstattung, Satire …), Spiele zur Wahrnehmung medialer Stereotype
Trainer*in
Mathias Rauh, cultures interactive e.V.
Mathias Rauh ist Medien- und Kommunikationsforscher sowie Psychologe und seit 17 Jahren in der Medienbildungspraxis mit unterschiedlichen Zielgruppen tätig. Er konzipiert zudem Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikator*innen und begleitete zahlreiche Methodenentwicklungen an der Schnittstelle zwischen den Bereichen Digitalisierung, Demokratie und Desinformation.
Zielgruppe
Pädagog*innen aus Thüringen
Argumentationstraining gegen diskriminierende Äußerungen
„Das sind doch eh alles nur Wirtschaftsflüchtlinge, die sich hier ein schönes Leben machen wollen.“
Wie gehe ich mit tatsachenwidrigen Behauptungen und diskriminierenden Parolen um, wenn mein Gegenüber Argumente vielleicht gar nicht hören will? Wie entlarve ich Widersprüchlichkeiten, unlauteres Argumentieren und Befindlichkeiten, die möglicherweise hinter diesen Parolen stehen? Warum ist eine Entgegnung – auch der sympathischen Person gegenüber – so wichtig und welchen „Kniff“ gibt es, damit mir die beste Erwiderung nicht erst abends beim Schlafen gehen einfällt?
Seminarziele
In einem Argumentationstraining bieten wir Pädagog*innen eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik an. Im Workshop erarbeiten wir anhand von Beispielsituationen aus Ihrem konkreten Arbeitsalltag, was möglicherweise hinter diskriminierenden Äußerungen stehen kann und wie sinnvolle Entgegnungen aussehen können. Wir diskutieren, wann eindeutiger Widerspruch unumgänglich ist, wo eine inhaltliche Debatte Sinn machen kann und wann Grenzen des Argumentierens erreicht sind. Mit Informationen, Rollenspielen und Auswertungen zu Argumentationsstrategien werden Sie für die Auseinandersetzung mit diskriminierenden Äußerungen gestärkt.
- erkennen diskriminierende Äußerungen (auch als Teil ihres Arbeitssettings und Alltags)
- reflektieren über Bedeutung und Notwendigkeit von Entgegnungen und finden ein bzw. bestärken Ihr Standing
- lernen diskriminierende Situationen zu analysieren und erkennen relevante Aspekte für die Strategieauswahl
- lernen Argumentationstechniken kennen und können Reaktionsstrategien diskutieren
- entwickeln, erproben und bewerten eigene Argumentations- und Reaktionsstrategien
Seminarinhalte
- Kennzeichen von diskriminierenden Äußerungen
- Schwierigkeiten im Umgang mit diesen
- Argumentationsstrategien und Reaktionsmöglichkeiten
- Ausprobieren am Beispiel von Situationen aus dem eigenen Berufsalltag
Methoden
Gruppenarbeit in verschiedenen Formaten, Kurz-Input, angeleitetes Rollenspiel, moderierte Diskussion zur Reflexion und Ergebnissicherung, Feedbackmethoden
Trainer*in
Angelika Heller, DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.
Die Trainerin ist langjährig als Bildungsreferentin in der Erwachsenenbildung tätig und leitet seit vielen Jahren Argumentationstrainings für verschiedene Zielgruppen.
Zielgruppe
Sozialpädagog*innen, Ausbilder*innen, Lehrkräfte, Bildungsbegleiter*innen, Berufseinstiegsbegleiter*innen, Schulsozialpädagog*innen, Ausbildungsbegleiter*innen, Case Manager*innen, Intergrationsbegleiter*innen, Fallmanager*innen und weitere interessierte Pädagog*innen