Autismus verstehen – Grundlagen und Praxisimpulse
In der Begleitung von jungen Menschen im Autismus-Spektrum stoßen klassische pädagogische Konzepte oft an ihre Grenzen. Um festgefahrene Situationen aufzulösen, braucht es weniger eine „Korrektur“ des Verhaltens, sondern ein tieferes Verständnis für die Art, wie Informationen im autistischen Gehirn verarbeitet, gewichtet und vernetzt werden.
Als Fachkraft stehen Sie täglich vor der Herausforderung, Lern- und Arbeitsräume so zu gestalten, dass Überforderung vermieden wird. Dieses Seminar vermittelt Ihnen das nötige Hintergrundwissen und verbindet es mit einem lösungsorientierten, systemischen Blick auf den Alltag. Ziel ist es, Stressfaktoren für beide Seiten zu reduzieren und Ihre fachliche Handlungssicherheit im Umgang mit herausforderndem Verhalten zu stärken.


Seminarziele
- Das „autistische Betriebssystem“ verstehen: Sie gewinnen Sicherheit im Verständnis der autistischen Informationsverarbeitung (Wahrnehmung, Denkstile und exekutive Funktionen).
- Prävention und Entlastung: Sie lernen, wie Sie durch die Anpassung von Anforderungen und Umfeld Stress reduzieren und Teilhabe ermöglichen.
- Erweiterung der Methodenkompetenz: Sie nehmen konkrete Ansätze für die Kommunikation und Strukturierung mit, die in Ihrer Praxis anwendbar sind.
- Souveränität im Konflikt: Sie reflektieren die eigene Rolle als stabilisierenden Faktor in herausfordernden Situationen.
Seminarinhalte
- Grundlagen Autismus-Spektrum: Kompakter Überblick zu Autismus allgemein und Besonderheiten in Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Kommunikation und Interaktion.
- Umgang mit Stress und Belastung: Fokus auf Stressreduktion und Deeskalation (Arousal-Management) – warum weniger Überforderung oft mehr Kooperation bewirkt.
- Praktische Strategien für den beruflichen Alltag:
– Kommunikation: Klarheit schaffen, Missverständnisse vermeiden, alternative Wege finden.
– Struktur & Visualisierung: Wie kleine Anpassungen im Umfeld Sicherheit und Orientierung geben.
– Präventives Handeln: Vorbeugende Maßnahmen statt Krisenintervention. - Die pädagogische Haltung: Die Fachkraft als „sicherer Hafen“ – Verantwortung für die Beziehungsgestaltung übernehmen.
- Fallberatung & Reflexion: Fachlicher Austausch zu konkreten Situationen aus Ihrer täglichen Arbeit.
Trainer*in
Alexander Ibe, Autismusambulanz Halle
Der Sozialarbeiter (B.A.) mit systemischem Arbeitsschwerpunkt ist seit 2020 in der Autismusambulanz Halle (Internationales Bildungs- und Sozialwerk GmbH) tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit begleitet und berät er Menschen im Autismus-Spektrum sowie deren soziales Umfeld mit dem Ziel einer gelingenden Teilhabe. In seiner Fortbildungstätigkeit fokussiert er sich auf die Vermittlung von Wissen zu Autismus als Verstehenshilfe, um daraus neue Handlungsoptionen für die tägliche Praxis abzuleiten.
Zielgruppe
ausschließlich für BO(S)-Pädagog*innen der Berufsorientierungsmaßnahme „Berufliche und arbeitsweltliche Orientierung für Schüler*innen mit Schwerbehinderung in Thüringen“
Thillm-Anerkennung ist beantragt.
